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BRUT- UND ZUGVÖGEL an der Schleimündung

Es gibt Tiere, die scheinen sich immer die schönsten Plätze auszusuchen. Die Singvögel kommen im Frühling zu uns und ziehen bis ins sonnige Afrika, sobald die Tage kürer werden und erste Nebeltage den Herbst ankündigen. Andere Vogelarten wandern zwischen subpolaren Gebieten im Norden, wo sie ihre Jungen aufziehen, und den südlichen Winterquartieren hin und her. Die kräftezehrenden Wanderungen der Tiere sind für das Überleben der Art notwendig.

 

Küstenseeschwalbe im Flug
Brütender Sandregenpfeifer

Auf Oehe-Schleimünde und der Halbinsel Olpenitz brüten und rasten zahlreiche Vogelarten, manche in großen Gruppen, dicht an dicht beieinander. Geeignete Plätze zur Anlage von Nestern, ein ausreichendes Nahrungsangebot und Ungestörtheit sind eine wichtige Voraussetzung für solche Vogelkolonien. Ganz offensichtlich werden diese Bedingungen am Ausgang der Schlei erfüllt. Denn viele Zugvögel kommen zur Zugzeit im Frühjahr aus ihren Überwinterungsgebieten im milden Süden zurück. Manche Singvögel haben die kalte Jahreszeit am Mittelmeer verbracht, die Brandgänse kommen mal eben von der Nordsee herüber. Einen besonders weiten Weg legen dagegen die Küstenseeschwalben zurück, die dem nordischen Winter lieber an den Küsten der Antarktis entgehen.

Die notwendige Nahrung für die mehr oder minder langen Reisen liefern die seichten Gewässer der Schleimündung, die Windwatten und die offenen Strandwalllandschaft. Watvögel wie Sandregenpfeifer und Rotschenkel stochern im weichen Sediment nach Würmern und kleinen Krebsen. Hochbeinige Säbelschnäbler seihen mit ihren dünnen gebogenen Schnäbeln die Nahrung direkt aus dem Wasser, während der Austernfischer mit seinem kompakten roten Schnabel auch Muscheln knacken kann. Andere Watvögel wie Kiebitz, Brachvogel und Bekassine besiedeln Salzwiesen und feuchte Weiden auf Oehe-Schleimünde.

Wichtiger Rastplatz im Vogelzug

Die Brandgans

Wenn die Tage zum Winterhalbjahr kürzer und die Nahrungsangebote kleiner werden, ziehen viele Vögel nach Süden ab. Für andere Wasservögel wie Eis- und Bergenten, Gänsesäger oder Singschwäne wird Oehe-Schleimünde dagegen zur „Riviera“: Auf der Flucht vor dem strengen Winter in den Weiten Skandinaviens und Sibiriens verbringen sie hier die kalte Jahreszeit.

Im Unterschied zur Zahl der brütenden Vögel überqueren bei weitem mehr Arten und Individuen das Schleimünder Gebiet auf ihrem Zug zwischen dem jeweiligen Brutgebiet und Winterquartier. Viele tun dies eher zufällig, andere folgen auf ihren Wanderungen von und nach der Nordsee bestimmten Leitlinien in der Landschaft wie der Küstenlinie der Ostsee und der Schlei. Ganzjährig bietet Schleimünde den Zugvögeln dabei gute Rastmöglichkeiten. Internationale Bedeutung hat das Gebiet zum einen für Wasservögel wie Taucher, Schwäne, Gänse und Enten, zum anderen für Watvögel und Möwen.

Auf und Ab der Zahlen

Schon seit 80 Jahren wird die Vogelwelt an der Schleimündung beobachtet. Regelmäßig durchgeführte Zählungen der rastenden und brütenden See- und Singvögel hier und an anderen Orten zeigen ebenso die natürlichen Veränderungen der Landschaft als auch die menschlichen Einflüsse. Schon bald nach der Unterschutzstellung des Gebietes erhöhte sich die Zahl der Brutvogelarten und der Brutvogelpaare, auch weil das Sammeln der Eier mehr und mehr eingeschränkt wurde.

Zu den häufigsten Brutvogelarten auf Oehe-Schleimünde wurden Sturmmöwe und Küstenseeschwalbe. Auch die Höckerschwäne fanden zunehmend Gefallen an der äußeren Schlei. Die Zahlen der Brutvögel insgesamt schwanken jedoch und allgemein gilt, dass in den 30er und Anfang der 40er Jahre besonders viele, in den Nachkriegsjahren besonders wenige Vögel brüteten - in der "schlechten Zeit" wurden eben wieder mehr Eier gesammelt. Ein zweiter Höhepunkt ist in den 70er Jahren zu erkennen, in den 80er Jahren gehen die Zahlen wieder zurück.

Ein wesentlicher Grund ist die Entwicklung der Geländebeschaffenheit und der Vegetation, denn die meisten Arten stellen sehr spezielle Ansprüche an ihre Umgebung und reagieren empfindlich Veränderungen und Störungen. Waren Sturmmöwe, Küstenseeschwalbe und Silbermöwe lange besonders häufig nördlich der Schleimündung, so haben sie heute ihre Brutgebiete auf der Halbinsel Olpenitz im Süden.

 

Der Schnabel ist ein präzises Werkzeug, mit dem Vögel ihre Nahrung erbeuten. a: Säbelschnäbler b: Austernfischer c: Großer Brachvogel d: Rotschenkel

Wanderung und Vogelbeobachtungen mit der Vogelwartin

Die Halbinsel Oehe-Schleimünde mit Ostseestrand, Windwatten und der Olpenitzer Halbinsel dürfen zur Vermeidung von Störungen nur in Begleitung eines Vogelwartes oder einer Vogelwartin des Verein Jordsand e.V. betreten werden.

Naturkundliche Führungen in das Naturschutzgebiet Schleimündung starten sowohl von der Vogelwärterhütte nahe Maasholm als auch vom Lotsenhaus auf der Lotseninsel.

ab Vogelwärterhütte:

täglich 10 Uhr außer montags,

Telefon: 04642 6117

ab Lotsenhaus Schleimünde:

nach Vereinbarung unter

Telefon: 04642 6817