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Wo sind die Schweinswale?

Wenn die See ganz ruhig ist und mit etwas Glück, dann kann man sie auch von der Lotseninsel aus sehen – Schweinswale. Einzeln, zu zweit, selten in kleinen Gruppen ziehen die bis knapp eineinhalb Meter langen Zahnwale vorbei. Nur für einen kurzen Moment taucht der schwarze Rücken mit kleiner Rückenflosse beim Atemholen aus dem Wasser. Meist schwimmen die Tiere gemächlich dicht unter der Wasseroberfläche und atmen dabei etwa zwei- bis viermal pro Minute. Sie erreichen Geschwindigkeiten von etwa 20 Stundenkilometern und springen nur sehr selten aus dem Wasser.

Schweinswale sind die einzige heimische Walart an Deutschlands Küsten. Sie bevorzugen die flachen Gewässer bis etwa 20 Meter Wassertiefe. Zwar können sie durchaus 80 Meter tief tauchen, ihre Nahrung finden sie jedoch in den produktiven Flachwasserbereichen mit Sandbänken, Seegraswiesen und Tangwäldern. Hier jagen sie hauptsächlich kleine Fische wie Heringe, Makrelen, Sandaale und Plattfische wie Scholle und Flunder aber auch Muscheln und andere Wirbellose am Meeresboden. Schweinswale nehmen dabei täglich eine Nahrungsmenge auf, die etwa zehn Prozent ihres Körpergewichts entspricht.

In der Ostsee sind Schweinswale besonders häufig in der Flensburger Förde, der Geltinger Bucht und vor der Schleimündung sowie bei Fehmarn anzutreffen. Offensichtlich ist die Flensburger Förde ein Aufzuchtgebiet für den Nachwuchs der Schweinswale, wie durch markierte Wale ermittelt werden konnte. Jungtiere bleiben immer eine Zeit lang bei ihrer Mutter, die Bindung zwischen Jungtier und Mutter sehr eng.

Doch menschliche Aktivitäten verändern den Lebensraum der Schweinswale. Bereits seit fast 30 Jahren beobachtet Andreas Pfander die Schweinswale an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Seit 1987 zählt der Arzt aus Kappeln die zwischen Flensburg und Eckernförde an die Strände gespülten Kadaver. Im Jahr 2008 verendeten in diesem Teil der Ostseeküste 47 Schweinswale auf nicht natürliche Art, so viele wie niemals zuvor. Im Vergleich zu 2007, als es 28 Tiere waren, hat sich die Zahl der Totfunde damit fast verdoppelt. Noch vor ein paar Jahren wurden durchschnittlich weniger als zehn tote Tiere pro Saison entdeckt.

Der einzigen Walart in der Ostsee machen Schadstoffeinträge ins Meer, die Schifffahrt und Unterwasserschall beispielsweise durch Arbeiten an Brückenpfeilern oder bei der Errichtung von Offshore-Windanlagen Probleme. Die Meeressäuger gelten als sehr geräuschempfindlich. Schweinswale sind auch durch Gifte, darunter Kohlenwasserstoff-Verbindungen, Insektizide wie polychlorierte Biphenyle (PCBs), Dioxine und Schwermetalle gefährdet. Wahrscheinlich hat ein hohes Schadstoffniveau im Meerwasser negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit und das Immunsystem der Meeressäuger.

„Das größte Problem, das die Schweinswale haben, ist jedoch die Fischerei“, sagt die Biologin Petra Deimer von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM). Obwohl kein Fischer absichtlich Schweinswale fängt, sterben viel zu viele in nicht für sie ausgebrachten Netzen als „Beifang“. Das Kleinwal-Abkommen ASCOBANS hat den Beifang besonders durch Stell- und Treibnetze bereits 2002 als Problem Nummer eins aufgeführt, denn die Tiere können sich aus den Nylonnetzen nicht mehr befreien.

Deutlich erleichtert wurde die Datensammlung auch durch das 2002 gestartete Programm „Wassersportler sichten Schweinswale“. Die GSM bittet Wassersportler um Mithilfe: Melden Sie der GSM Schweinswalsichtungen mit ausführlichen Angaben wie z.B. GPS-Daten: Nähere Informationen für die Beobachter finden sich unter www.gsm-ev.de. Die Sichtungsdaten können helfen, Schutzgebiete auszuweisen. Die EU-Länder sind verpflichtet, Schutzgebiete einzurichten, aus denen Brüssel hoffentlich bald ein europaweites Netz zusammenfügen wird.

 

Der Schweinswal lebt in den Küstengewässern des Nordatlantiks vor Europa, Nordwestafrika und dem Osten Nordamerikas, im Schwarzen Meer sowie in den amerikanischen und asiatischen Küstengewässern des Nordpazifiks. Seine Nahrung sind Fische, Krebstiere und Tintenfische.