Willkommen auf der Website der Lotseninsel Schleimünde

Wellen aus Sand

Flach geneigte Sandstrände im Wechsel mit den Abbruchkanten aktiver Kliffs sind die typischen Formen der Landschaft an Schleswig-Holsteins Ostseeküste. Für die flachen Strandwälle der Schleimündung, ebenso wie in Bottsand oder Hohenfelde weiter östlich, liefern die Steilküsten das Material. Bei Sturmfluten aus östlichen Richtungen werden hier Sand, Kies und Steine abgetragen und entlang der Küste transportiert.

Schleimünde verdankt seine Entstehung vorwiegend dem Abbruch des Schönhagener Kliffs im Süden, von dem Sand und Kies zum Aufbau der Strandwälle mit der Strömung des Wassers wie Wellen aus Sand Richtung Norden vor die Schleimündung transportiert wird. Auch aus der entgegengesetzten Richtung, dem Steilufer von Düttebüll, wanderte Sand in Richtung Oehe und weiter bis zur Lotseninsel. Zwei unterschiedlich große Landzungen wuchsen also, langsam von Norden, rascher von Süden aufeinander zu und gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich die Mündung der Schlei fast vollständig geschlossen.

Dynamische Landschaft

Mit dem Durchstich der neuen Schleimündung um 1796 an ihrer heutigen Stelle entstand die Lotseninsel, die nach dem völligen Verschluß der natürlichen Schleimündung nördlich der heutigen Mündung vor etwa 50 Jahren wieder zur Halbinsel wurde. Im Schutz der Strandwälle verlandeten im Westen die flachen Buchten und Noore, es entstanden die Salzwiesen und auch das Wormshöfter Noor, die Ur-Schleimündung, gewann allmählich seine heutige Gestalt. Durch Deiche und Buhnen sind den natürlichen Veränderungen der Küste Grenzen gesetzt, ganz unterbunden sind sie aber nicht und noch immer könnte die Kraft der Ostseewellen den Strandwall eines Tages wieder durchbrechen.

Pflanzen auf Sand und Salz

Strandhafer
Meerkohl

Auf den ersten Blick erscheint die Pflanzendecke auf den Strandwällen und Salzwiesen von Oehe-Schleimünde eher unauffällig. Vor allem Gräser der Sandtrockenrasen wie Schafschwingel und Rotschwingel beherrschen das Bild. Erst bei näherer Betrachtung lassen sich auch die kleinblütigen Pflanzen ausmachen wie Schuppenmiere, Löffel-, Sand- oder Milchkraut oder die unscheinbar blühenden Arten wie Wegerich, Melde und Meerdreizack. Nur niedrige Teppiche bilden Moose und Flechten, dazwischen die Natternzunge, eine Farnart. Etwa 160 verschiedene Arten sind in dem Gebiet anzutreffen, mehr als 20 davon stehen auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen. Wegen ihrer jeweils unterschiedlichen Ansprüche an den Standort stehen sie in typischen Pflanzengesellschaften zusammen, die die Vielfalt der Lebensbedingungen auf Oehe-Schleimünde widerspiegeln.

Auf dem sandigen Boden, auch an der salzigen Seeseite des Strandwalls wächst die Salzmiere, die wie viele Salzpflanzen dickfleischige Blätter hat und rasenartige Bestände bildet. Etwas höher am Strand gelegen gedeihen der Meerkohl und die Stranddiestel, beides stattliche Einzelgewächse. Anzutreffen sind hier auch der Strandhafer und der Krause Ampfer, Mauerpfeffer und Hauhechel.

Boddenbinse
Kartoffelrose
Galloway-Rinder

Auf der Westseite der Halbinsel, im Schutz des Strandwalls, sind durch die Ablagerung feiner Sedimente die Salzwiesen entstanden, die großflächig von der Boddenbinse besiedelt sind. Hier wachsen typische Salzpflanzen wie der Meer-Wegerich, der Strandbeifuß und die Strandaster. Im Frühsommer findet man hier die rosa Blütenköpfe der Strandnelke. Besonders an den stärker brackigen Stellen bildet sich das Brackwasserröhricht mit dem Schilf aus.

Der über lange Zeit wohl einzige weithin sichtbare Baum auf Oehe-Schleimünde war eine Silberpappel. Sie stand nahe dem alten, längst verfallenen Lotsenhaus, das etwa 500 Meter nördlich des heutigen Gebäudes stand. Ein Pferd habe einmal eine Sturmflut überlebt, heißt es, mit hoch aufgerichteten Vorderbeinen an eine Astgabel der Silberpappel gestützt. Vor etwa 50 Jahren fiel der morsche Stamm, an seiner Stelle steht heute ein ganzes Pappelwäldchen mit schiefer, vom Wind geformter Krone. Es ist zu einem auffälligen Seezeichen für die Schifffahrt und einem Wahrzeichen für das Naturschutzgebiet geworden.

Die Kiefern der Lotseninsel sind vor etwa 80 Jahren in der Nähe des heutigen Lotsenhauses gepflanzt worden. Ursprünglich als Hecke gepflanzt, breitet sich hier auch die Kartoffelrose aus. Sie ist zum einem ökologischen Problemfall geworden, denn die nicht heimische Pflanze, sie stammt eigentlich aus Japan, überwuchert weite Bereiche und verdrängt dabei standorttypische und seltene Pflanzen. Ihre weitere Ausbreitung vor allem in Richtung Naturschutzgebiet in den Griff zu bekommen, ist mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden.

Unterstützung bei der Landschaftspflege leisten Galloway-Rinder der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, die sich mit Eifer über die Vegetation hermachen. Viele der typischen Küsten- und Wiesenvögel brüten am Boden. Austernfischer, Sandregenpfeifer oder Kiebitz und Rotschenkel haben es gern übersichtlich, brauchen den freien Blick über die Flächen. Auch die Blütenteppiche des Mauerpfeffers und die Silbergrasfluren im 362 Hektar großen Schutzgebiet profitieren von der Beweidung. In einer hohen, verfilzten Pflanzendecke können sie sich nicht behaupten und mehr Platz wird auch entstehen, wenn die Rinder der unkontrolliert wuchernden Kartoffelrose zu Leibe rücken.

 

 

Die Wellen treffen meist schräg auf den Strand. Die zurückfließende Welle transportiert Sand, Kies und Steine an der schrägen Strandfläche ab. In einer Zickzacklinie wird das Material mit der Strömung an der Küste entlang verdriftet.

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