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Eine Rosenaxt von der Lotseninsel

Ein aufmerksamer Spaziergänger hatte das seltsame Stück zufällig vor einigen Jahren am Strand der Lotseninsel gefunden. Vielleicht ein Walknochen oder doch ein Hühnergott? Seinen Fund wollte der Finder jedenfalls nicht mit nach Hause nehmen und so landete er für einige Jahre auf der Fensterbank beim Hafenmeister von Schleimünde. Bis eines Tages ebenso zufällig wieder das Gespräch darauf kam und der Entschluss gefasst wurde, der Sache doch mal auf den Grund zu gehen.

Archäologen der Kieler Universität und vom Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig zufolge handelt es sich um eine "Rosenaxt". Trotz des abgerollten Zustandes ist für die Fachleute noch deutlich zu erkennen, dass die Axt vor langer Zeit aus dem Geweih eines Rothirschen gefertigt worden ist. Bearbeitet wurde dazu das so genannte Rosenstück, also der schädelseitige Teil des Geweihs. Solche Rosenäxte gibt es bereits im älteren Mesolithikum und bis in die Bronzezeit hinein, also etwa zwischen 9.500 und 2.200 v.Chr. In der hier vorliegenden Form mit einer durch den Stumpf der abgetrennten Eissprosse des Geweihs geführten Bohrung treten sie besonders häufig auf.

Um das genaue Alter der Axt bestimmen zu können, musste komplizierte Analytik ans Werk. Das Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung der Universität Kiel datierte die Axt schließlich mittels der so genannten C14-Methode auf ca. 4.800 v. Chr.

Zur Herstellung dieser Äxte verwendete man grundsätzlich kräftige Rothirschgeweihstangen. Über die Funktion gibt es unter Archäologen noch keine einheitliche Meinung. Eventuell wurden sie als Kampf- oder Jagdwaffe eingesetzt, z.B. beim Schlagen von Robben. Hervorragend geeignet sind diese zähen Äxte auch zur Holzbearbeitung oder als Setzkeil zum Spalten dicker Stämme. In jungsteinzeitlichen Kulturen im Osten Deutschlands ist auch eine Nutzung als landwirtschaftliches Gerät zur Bodenbearbeitung vorstellbar.